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Hausmitteilung

 

 

Wir möchten uns hier einmal in aller Form über ein sehr brisantes Thema äußern, und zwar über die Gabe von intravenösen Injektion bzw. Infusion von Procain im Rahmen von Kliniksessions , die wir aus folgenden Gründen für hochproblematisch halten.Procain gehört als ein über 100 Jahre altes örtliches Betäubungsmittel (Lokalanaesthetikum) zu den sog. Ester-Lokalanaesthetika, die heute im medizinischen Alltag wegen vielerlei Problemen und Risiken praktisch keinerlei Rolle mehr spielen und von den modernen Amid-Lokalanaesthetika vollständig ablöst worden sind.


Ein großes Gefährdungspotenzial von Procain hängt vor allem mit seinem häufig unterschätzten allergischen Potenzial zusammen. Beim Abbau von Procain im Körper des Menschen entsteht durch ein körpereigenes Enzym die sog. Paraaminobenzoe-säure (PABA), die bei vielen Menschen aufgrund oft langjähriger Sensibilisierung (PABA wird z.B. als Konservierungsmittel, Anti-Aging- oder Sonnenschutzmittel-Zusatz verwendet) zu allergischen Reaktionen bis hin zu lebensbedrohlichen Schockzuständen führt. Solche allergischen Zwischenfälle können von leichten Hautreaktionen über Atemnotzustände und Asthmaanfälle bis hin zu Herz-Kreislaufversagen z.B. auf Grund eines schweren schockallergischen Blutdruckabfalls mit tödlichem Ausgang reichen.


Procain wirkt als örtliches Betäubungsmittel (wie alle anderen Betäubungsmittel auch) über eine Blockade von spannungsabhängigen Natriumkanälen der Nervenzelle. Dadurch wird der Natriumeinstrom in die Nervenzelle verhindert, der Nerv quasi in seiner Funktion "gelähmt".

Auch das Reizleitungssystem des Herzens und des Gehirns verfügt über solche Natriumkanäle, die durch Procain blockiert werden. Fließt zu viel Procain in das Nerven-Reizleitungssystem dieser Organe, können dadurch Krampfanfälle (epileptischer Anfall) und Herzrhythmusstörungen bis hin zu einem tödlichen Herzstillstand hervorgerufen werden. Nicht umsonst haben einzelne Lokalanaestaetika eine amtliche Zulassung als Medikament gegen bestimmte Herzrhythmusstörungen, weil sie sehr wirkungsvoll in den Erregungsablauf der Nervenzelle eingreifen können.


Das Bundesamt für Arzneimittelsicherheit beschreibt in einer Datenbank aus dem letzten Jahr über 627 unerwünschte Nebenwirkungen mit 37 Todesfällen bei/nach Anwendung von örtlichen Betäubungsmitteln am Menschen (nur intra-, subcutan und zur Nervenblockade, nicht spinal/ peridural).


Procain ist ein verschreibungspflichtiges Medikament und das aus gutem Grund: Die Häufigkeit von Nebenwirkungen und Komplikationen auf leichtfertig verabreichtes Procain , z.B. durch Heilpraktiker und Zahnärzte, ist sehr hoch und wird landläufig unterschätzt. Das immer wieder im Heilpraktiker- und Naturheilkundebereich zitierte "Sekundenphänomen" in der sog. Neuraltherapie, also der Injektions-Quaddeltherapie mit intra- und subcutan verabreichten Procain, ist aus heutiger Sicht als Märchen ohne jeglichen pharmakologischen Hintergrund zu sehen. Eine Quaddeltherapie mit Procain ist - wissenschaftlich abgesichert - nicht wirkungsvoller als mit jedem anderen und damit deutlich risikoärmeren örtlichen Betäubungsmittel und deshalb abzulehnen.

Wenn ein Arzt heute in therapeutischer Absicht einem Menschen Procain verabreicht, obwohl deutlich risikoärmere Alternativen zur Verfügung stehen, haftet er bereits deshalb zivil- und ggf. auch strafrechtlich, weil er ohne wissenschaftlich-medizinische Begründung nicht die risikoärmere Alternative an diesem Patienten eingesetzt hat.Procain hat in fast allen Darreichungsformen nur eine Zulassung für die intra- und subcutane, intramuskuläre und peineurale (d.h. an den Nerven gespritzte) Anwendung, nicht für die intravenöse Infusion. Bei ganz bestimmten Krankheitsdiagnosen kann die intravenöse Procain-Infusion "nach Abwägung aller Umstände und nur unter sorgfältiger Überwachung" von Herz, Kreislauf und Atmung (z.B. mit EKG-Monitor, Pulsoxymetrie und Blutdruckmessung) und nur von entsprechend qualifizierten Ärzten mit einer von ihnen gesetzlich vorzuhaltenden Wiederbelebungsausrüstung eine solche Infusion nach einer ausführlichen und schriftlich-empfohlenen Aufklärung des Patienten über diese Form der Therapie erwogen werden.

Das Bundesministerium für Gesundheit hat im Jahre 2005 mit Zustimmung des Bundesrates eine Verordnung zur Neuordnung der Verschreibungspflicht von Arzneimitteln erlassen. Danach dürfen Heilpraktiker alle örtliche Betäubungsmittel nur noch intracutan (d.h. als Hautquaddel) am Menschen anwenden. Jegliche subcutane, intramuskuläre und natürlich auch die intravenöse Anwendung wurde den Heilpraktikern damit ab 01.04.2006 gesetzlich verboten.

Die intravenöse Verabreichung von Procain am Menschen stellt also bereits im medizinischen Bereich (abgesehen bei ganz speziellen Erkrankungen und dann nur vom ausgebildeten und erfahrenen Arzt durchgeführt) zweifelsfrei einen schweren Behandlungsfehler dar und zieht im Schadensfall auch für einen Arzt erhebliche schadenrechtliche Probleme und Haftungsansprüche nach sich.

Umso mehr muss die intravenöse Verabreichung von Procain, aber natürlich auch von jedem anderen Lokalanaesthetikum bei einer im SM-Bereich durchgeführten Kliniksession als unverantwortlicher Leichtsinn eingestuft werden, der die Gesundheit des Gastes massiv gefährdet und darüberhinaus das Studio mit nicht kalkulierbaren zivil- und in diesem Fall sicher auch strafrechtlichen Konsequenzen konfrontiert.
Darüber hinaus muss angemerkt weren, dass mit einer moderat in die Vene infundierten Procain-Infusion im SM-Bereich keine Wirkungen beim Gast hervorgerufen werden können, die nicht auch mit einer "normalen" Kochsalz-Infusion hervor-gerufen werden können.

Die von einigen Gästen bei der Procain-Infusion gesuchte bzw. erwünschte Benommenheit mit teilweise halluzinatorischem Charkter, der metallische Geschmack auf der Zunge oder das Ohrenrauschen bis hin zum Vertäubungsgefühl bei einer (zu) rasch infundierten Procain-Infusion stellt bereits das erste und sehr ernst zu nehmen Warnzeichen einer Intoxikation dar.


( Wir danken C. für die zur Verfügung gestellte Information und die großartige Hilfe bei diesem Artikel).

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